Kurzgeschichte: Allein im Burgverlies

Diese Kurzgeschichte habe ich für einen Schreibwettbewerb im Joyclub geschrieben. Vorgabe war, dass folgender Satz in der Gesichte vorkommen musste:
“Es klingelte an der Haustür. Ich öffnete sie und sah, wie eine sexy gekleidete Dame mit einem Koffer in der Hand die steinernen Treppenstufen heraufkam.”

Allein im Burgverlies

Ich bin allein im Burgverlies, oder besser gesagt, allein in dieser Zelle. Der Raum ist so groß, dass die vier Fackeln in den Wandhalterungen ihn nur unzureichend ausleuchten. Das gespenstischzuckende Licht der Flammen, das über die groben Steine der Zellenwände leckt, steigert meine Vorfreude genauso sehr wie meine Nervosität. Unruhig schweift mein Blick zu den schweraussehenden Eisenketten, die ungefähr in der Mitte des Kerkers von der Decke herabhängen. Darunter sind stählerne Fußfesseln im unebenen Steinboden verankert. Weitere Fixierungsmöglichkeiten gibt es an der Wand und auf dem großen, vielseitig verwendbaren Steinblock auf dem ich gerade sitze. Falls mein Herr es wünscht, werde ich im Laufe der Nacht noch darauf liegen oder davor stehen und nur den Oberkörper ablegen. Vielleicht wird mein Dom ihn aber auch lediglich als Ablage für die Toys benutzen.
Wenn man ganz genau hinschaut, sieht man, dass die Fesseleisen auf der Innenseite mit einem weichen Stoff bezogen sind, damit sie nicht in die Haut schneiden. Im Mittelalter ging man weniger rücksichtsvoll mit den Gefangenen um. Auch die Ketten sind gottlob nicht halb so schwer, wie sie aussehen. Baumarktware halt, doch in dieser Umgebung wirken sie beängstigend.
Mein Herr gab mir die Anweisung, die Zelle nicht zu verlassen. Gefesselt bin ich nicht. Sein Befehl reicht aus, um mich hier festzuhalten. Innerhalb des Kerkers darf ich mich frei bewegen.
Er und ich, wir lieben diese Burg.
Der Eigentümer hat sie zu einem BDSM-Domizil umgebaut und vermietet einzelne Bereiche an Experimentierfreudige, die nicht nur gerne spielen, sondern diesen speziellen Extrakick zu schätzen wissen. Ab und zu gönnen wir uns dieses Vergnügen, um dem oft stressigen Alltag zu entfliehen. Wir haben schon oben im Turmzimmer gespielt, im Spiegelsaal, in der Bibliothek, im Herrensalon und in der Scheune.
Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glauben, dass wir heute Nacht die einzigen Gäste im Kellergewölbe sind. Aber das Verlies ist immer als erstes ausgebucht, deshalb waren wir bisher auch noch nie hier unten. Die düstere, beklemmende Atmosphäre lässt mich frösteln, obwohl das Kohlebecken neben der Zellentür für eine angenehme Wärme sorgt.
Keine Ahnung, was mich heute Abend erwartet. Das Drehbuch für unsere Sessions denkt mein Herr sich aus und er überrascht mich gern. Bei unserem letzten Besuch, spielte ich die Küchenmagd, die draußen am Pranger endete und streng bestraft wurde, weil sie heimlich ein Kleid der Burgherrin gestohlen und anprobiert hatte. Eine Session, die fünf Tage lang sehr lebendig für mich blieb, und zwar jedes Mal, wenn ich mich setzte.
Angestrengt lausche ich. Wo ist mein Herr? Ich bin sicher, er ist nicht weit weg von mir. Es ist so still, dass das Wummern meines Herzens überlaut in meinen Ohren dröhnt. Vielleicht bin ich ja doch ganz allein?
Mein Blick fällt auf den schwarzen Koffer, der an der Wand zu meiner Linken auf dem Boden steht. Er wirkt edel, modern und hier in diesem uralten Gemäuer irgendwie fehl am Platz. Nur um mich abzulenken stehe ich auf, öffne den Deckel und fahre mit den Fingerspitzen über die Toys. Wie oft haben sie mir schon Lust und Schmerz geschenkt und ihm und mir eine Menge Freude bereitet. Trotz der Beklemmung, die ich hier unten empfinde, stielt sich ein Lächeln auf meine Lippen. Ich nehme die Gerte heraus, ziehe die Teleskopstange aus und lege sie auf meine Handflächen. Die wird wohl heute meinen Hintern mit hübschen Mustern verzieren. Fühlt sich besser an, als die Weidenrute, mit der meine Backen letzten Dienstag bei einem Waldspaziergang spontan Bekanntschaft machten.
Unwillkürlich denke ich an den Tag, als ich diesen Koffer das erste Mal zu Gesicht bekam und kann ein breites Grinsen nicht unterdrücken. Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen.
Wir lümmelten zuhause auf der Couch herum. Es klingelte an der Haustür. Ich öffnete sie und sah, wie eine sexy gekleidete Dame mit einem Koffer in der Hand die steinernen Treppenstufen heraufkam.
Sie lächelte mich an und ging mit einem freundlichen aber bestimmten „Ich bin Lilo und bringe die bestellte Ware mit einem schönen Gruß von der Firma Lelo für den Herrn des Hauses“, an mir vorbei ins Wohnzimmer.
Ich war damals so perplex, dass ich einen Moment völlig verdattert dastand, bevor ich endlich die Eingangstür schloss und hinter ihr her lief.
Der Koffer stand schon auf dem Couchtisch und als ich dazu kam, öffnete die Frau ihn und präsentierte uns mit einer theatralischen Geste den Inhalt. Der Blick ins Innere ließ mich nach Luft schnappen und löste eine kleine Sturmflut in meiner Pussy aus. Augenmaske, Handschellen, Schlagwerkzeuge und Toys, die sowohl vaginalen als auch analen Hochgenuss versprachen.
»Ich wäre dankbar, wenn Sie die Spielzeuge gleich am Objekt demonstrieren würden«, wandte mein Herr sich an Lilo. Dann warf er einen kurzen Blick auf mich.
»Zieh dich aus, bring mir den Koffer und knie dich im Vierfüßlerstand auf den Couchtisch.«
Mir rutschte das Herz buchstäblich in die Hose. Ich sollte mich vor der Fremden entblößen? Und mich dann auch noch auf dem Tisch zur Schau stellen?
Natürlich erriet er meine Gedanken.
»Der Tisch ist die Bühne, Kleines. Du bist heute nur das Requisit, aber du wirst es genießen und ich freue mich auf die Vorführung.«
Ich schlug die Augen nieder, spürte Hitze vom großen Zeh bis zu den Haarspitzen. Mein Herz wummerte wie verrückt. Widerspruchslos schälte ich mich aus meinem Schlabberlook. Nackt fühlte ich mich neben der sexy Dame wenigstens nicht mehr ganz so farblos, wie zuvor in meiner Jogginghose und dem unförmigen Sweatshirt. Lilos Augen glitten über meinen Körper, das bemerkte ich, trotz meines gesenkten Blickes. Entschlossen straffte ich die Schultern. Meine Kurven sind nicht perfekt, aber mein Herr nimmt mich an, wie ich bin. Darauf bin ich stolz. Es gibt keinen Grund, sich zu schämen. Ich trug die Box offen, wie sie war, zum Sessel und stellte sie dem Herrn meines Herzens auf den Schoß. Dann kletterte ich auf den Tisch und präsentierte den Beiden meinen Hintern im Vierfüßlerstand.
»Beginnen wir mit dem Flogger, geben Sie ihn doch bitte mal rüber«, bat Lilo. »Sie bemerken sicher schon, wie gut er in der Hand liegt. Eignet sich hervorragend …« Der erste Schlag traf meine rechte Backe. Mir entkam ein Schrei, obwohl ich mit dem Hieb gerechnet hatte und ich hörte nicht mehr zu. Nur noch konzentriert auf die Feuerküsse, die Lilo auf meine Backen niederprasseln ließ, ergab ich mich meiner Lust. Und dem Genuss, der gar kein Ende nehmen wollte, denn sie probierten jedes einzelne Toy an mir aus.
Irgendwann nach dem dritten Orgasmus an diesem Abend wurde mir klar, dass mein Dom diese Session inszeniert und organisiert hatte. Lilo von der Firma Lelo … von wegen. Dieses Spiel mit den Namen hätte mir auch gleich komisch vorkommen können. Die beiden bespielten mich mal abwechselnd, mal gemeinsam, bis ich so erledigt war, dass ich mich nicht mehr allein im Vierfüßlerstand halten konnte und er mich in mein Bett tragen musste. Als ich ihn am nächsten Tag darauf ansprach, gestand er mir, dass Lilo, eigentlich Vanessa hieß. Eine alte Bekannte, die er zufällig getroffen hatte, als er den Koffer kaufte und die er spontan gebeten hatte, dieses kleine Schauspiel mit ihm zu inszenieren.
Ich zucke heftig zusammen und tauche abrupt aus der Erinnerung auf, als plötzlich ein Schrei die Stille zerreißt. Ein Klatschen, wieder gefolgt von einem Jammerlaut, der mir durch Mark und Bein geht. Ich wage kaum, zu atmen. Gespenstisch, wie dieses Gewölbe die Schreie einer Frau durch die Gänge trägt. Als hätte man mich bei etwas Verbotenem ertappt, schiebe die Teleskopstange eilig zusammen und lege die Gerte in den Koffer zurück und schließe den Deckel.
Als ich aufstehe, sehe ich meinen Herrn in der Tür stehen und mich beobachten. Er nimmt meine Hand und führt mich sanft aber bestimmt zu den von der Decke hängenden Ketten. Routiniert fixiert er meine Hände und Füße und zieht die Ketten mit einer Seilwinde so straff, dass ich grade stehen muss, die Arme über den Kopf gestreckt. Er schaut mir in die Augen, gibt mir einen Kuss, dreht sich um und verlässt den Raum ohne ein Wort.
»Nein, bitte geh nicht weg!«, möchte ich ihm hinterherrufen. Doch ich bleibe stumm.
Angespannt lausche ich. Verlangen brodelt zwischen meinen Schenkeln. Ich wünschte, sie würden aufhören diese lust- und leidvollen Schreie. Gleichzeitig merke ich, wie ich danach lechze, sie wieder und wieder und wieder zu hören. Meine Nippel pressen sich hart gegen den zarten Stoff meines dünnen cremefarbenen Hemdchens. In meinen Adern pulsiert die Sehnsucht. Wie oft hallte das Klatschen schon zu mir herüber? Wie viel hält sie noch aus? Und was genau erzeugt eigentlich dieses Klatschgeräusch auf ihrer Haut? Eine Peitsche? Flogger? Gerte? Ich höre meinen eigenen schweren Atem. Das Blut rauscht in meinen Ohren. Die Hiebe kommen in einem gleichmäßigen Rhythmus. Die Schreie werden qualvoll. Ich bewege unruhig die Hüften, spanne meine inneren Muskeln an und lasse sie wieder locker. Wie gerne würde ich mich anfassen, doch das macht allein schon die Fesselung unmöglich. Ich giere nach seinen Berührungen. Feste Kniffe in meine Nippel. Zwei Finger, die er in meine nasse Pussy stößt. Immer wieder diese Schreie, die mich in den Wahnsinn treiben. Ich brenne lichterloh. Ich will, nein ich muss seine Hände und Lippen auf meiner Haut spüren. Die Laute steigern sich bis hin zu geballter, herausgeschriener Ekstase, die durch die Gänge rast. Ist es möglich, zum Höhepunkt zu kommen, nur durch diese unfassbar geilen Klänge, die meine Ohren aufnehmen, um sie ohne Umwege als Blitze zwischen meine Schenkel schießen?
Ich will das auch. Bitte, ich brauche es JETZT! Der Film in meinem Kopfkinos ist kurz davor zu schmelzen. Was machen sie mit ihr? Da die Schläge gleichmäßig weiter auf ihr Fleisch knallen, muss mindestens eine weitere Person für ihre grenzenlose Lust verantwortlich sein. Ihre Schreie sind noch lauter geworden, eine Mischung zwischen Stöhnen, Klagen, Jubeln, Flehen.
Dann plötzlich von einer Sekunde zur anderen Stille.
Gespenstisch.
Nur mein schneller schwerer Atem dröhnt überlaut in meinen Ohren. Das Herz trommelt im Takt. Ein Schweißtropfen rinnt durch das Tal zwischen meinen Brüsten. Der Stoff der Pantys getränkt von meiner Gier.
Warten, Anspannung, ungestilltes Verlangen und die Gewissheit, dass wir nicht allein zum Zuhören hier her gekommen sind. Meine Zeit wird kommen.
Bald.
Werde ich leise sein? Oder werde ich das Gewölbe ebenfalls mit dieser Melodie der Leidenschaft füllen, weil ich gar nicht anders kann?
Schritte.
Viele.
Eindeutig mehrere Personen.
Sie kommen näher.
Oder?
Ja, ganz sicher.
Oh Gott, ja!
Nein!
Wilde Gier, gepaart mit einem Hauch Angst.
Menschen betreten meine Zelle. Ich zähle sieben.
Ein Farbtupfer zwischen all dem Grau und Schwarz erregt meine Aufmerksamkeit. Es handelt sich um eine junge honigblonde Schönheit, in einem roten seidenen Hausmantel, der bis zur Mitte ihrer Oberschenkel reicht. Ich sehe die Striemen auf ihren Beinen und bin mir sicher, dass sie es war, die das alte Gewölbe zum Leben erweckt hat.
Gänsehaut.
Kann kaum noch einen klaren Gedanken fassen.
Sechs Gestalten, eingehüllt in schwarze Umhänge mit Kapuzen, die tief ins Gesicht gezogen sind. Ihre Gesichter kann ich im zuckenden Licht der Fackeln nicht erkennen, aber der Statur nach sind es Männer. Sie bilden einen Kreis um mich herum.
Mir stockt der Atem, als ich die Bullwhipp in der Hand eines der Typen wahrnehme. Unwillkürlich zerre ich an den Ketten. Natürlich erfolglos. Dann fällt mein Blick auf die kleine Blondine. Wenn sie das geschafft hat, kriege ich es auch hin. Glaube ich zumindest. Außerdem passt mein Herr auf mich auf. Er lässt nicht zu, dass etwas mit mir geschieht, was ich nicht ertragen kann. Der Gedanke beruhigt mich auf der Stelle, zaubert sogar ein Lächeln auf meine Lippen. Viel Testosteron im Raum, dennoch spüre ich, dass mein Herr unter ihnen ist. Seine Nähe fühle ich immer. Sie tut mir gut und gibt mir Halt.
Einer der Gestalten tritt vor. Es ist der Eine, den ich unter tausenden erkennen würde. Sanft streichelt er über meine Wange. Mein Lächeln drückt Dankbarkeit aus, dafür, dass er da ist.
»Bereit«, flüstere ich ihm lautlos zu.
Er nickt, er hat mich verstanden. Er krallt seine Faust in mein dünnes Hemdchen. Das Ratschen des reißenden Stoffes ist deutlich in der Stille zu vernehmen. Mir entfährt ein leises Stöhnen. Sein lüsternes Grinsen nehme ich trotz der Kapuze wahr. Wir beide lieben es, wenn er das tut. Genüsslich reißt er mir das Hemd in mehreren Streifen vom Körper. Setzt mich den Blicken der Unbekannten aus. Ein lustvolles Prickeln überzieht meine Haut und meine Nippel werden noch härter. Mein ganzer Körper schmerzt vor Geilheit.
Er greift mir in den Schritt, spürt meine Nässe und schüttelt schmunzelnd den Kopf. Ich besitze den Anstand, kurz die Augen niederzuschlagen. Doch er lässt mir keine Zeit für falsche Scham und reißt er mir auch die Pantys vom Leib. Wieder entkommt mir ein ersticktes Keuchen. Vollkommen nackt, aber nicht schutzlos. Nicht solange er bei mir ist. Dennoch Verlegenheit und Begierde kämpfen in mir um die Vorherrschaft. Bin mir der Blicke der fremden Menschen, die den Raum ausfüllen voll bewusst. Ich möchte im Boden versinken und ich will unbedingt angefasst werden. Die Stille dröhnt in meinen Ohren.
Wie auf ein unsichtbares Kommando treten die Gestalten im Kreis gleichzeitig einen Schritt vor.
Warten, Bangen, Sehnen, Zweifeln, Gieren … das alles hat ein Ende.
Das Spiel beginnt.

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