Dominanz aus der Ferne – Mein Artikel für das Schlagzeilen-Magazin

Ich hatte die Ehre und das Vergnügen, einen Artikel für das Schlagzeilen-Magazin schreiben zu dürfen. Wer die Schlagzeilen nicht kennt, schaut sie euch mal an. Geboten wird ein breites Angebot rund um das Thema BDSM. Interessante Infos, Bücher, Kontaktanzeigen etc. und eben das populärste und meiner Ansicht nach informativste deutschsprachige BDSM-Magazin. Da ich vor vierzehn Tagen in Hamburg war , habe ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt, den Herausgeber der Schlagzeilen, Matthias Grimme in seinem Charon-Verlag in Hamburg zu besuchen und ich kann euch versichern, in den Schlagzeilen steckt ganz viel Herzblut und jede Menge Fachkompetenz. Die Ausgabe 167 widmete sich ganz der Thematik BDSM und Fernbeziehungen. Solange die Ausgabe 167 aktuell war, wollte ich, dass mein Artikel exklusiv nur dort zu lesen ist. Inzwischen ist aber die neue Ausgabe auf dem Markt und ich möchte euch meine Gedanken zum Thema Fernbeziehungen im BDSM-Kontext nicht länger vorenthalten.

Dominanz aus der Ferne
Pro und Contra Fernbeziehungen von der BDSM-Autorin Tanja Russ

Mike und ich lernten uns auf einer beruflichen Weiterbildung kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb so gut, dass wir uns spontan entschieden, die Schulung in einem italienischen Restaurant ausklingen zu lassen.
Mikes Ehe bestand nur noch auf dem Papier. Er und seine Frau lebten nebeneinander her und wohnten nur noch wegen der Kinder, zwei Jungs im Grundschulalter, zusammen. Ich war damals gerade solo und irgendetwas an ihm zog mich unwahrscheinlich an. Die Aussicht, mich bald nach dem Essen verabschieden zu müssen, und ihn nie wiederzusehen, stimmte mich traurig. Ganz in meine Gedanken versunken, spielte ich mit der Kerze auf dem Tisch, hielt den Finger kurz in die Flamme und tauchte ihn in das flüssige Wachs. »Was machst du da?«, knurrte Mike fordernd und etwas zu laut. Erst da wurde mir meine Spielerei bewusst. Ich fühlte mich ertappt, wie ein kleines Kind.
Er fixierte mich wie eine Schlange das Kaninchen. Pure Dominanz. Über meine Wirbelsäule marschierte eine Ameisenarmee und ich senkte automatisch den Blick.
Er griff nach meinem Kinn. »Schau mich an!«, befahl er in strengem Ton.
Ich kam mir so dumm vor, wusste nicht, was ich antworten sollte. Schließlich kannte ich ihn ja kaum. Sanft strich er mit dem Daumen über meine Wange. Die erste intime Berührung, die auf meiner Haut heißer brannte, als das Wachs zuvor auf meinem Finger. Federleicht strich er an meinem Hals entlang und packte mich dann plötzlich fest im Nacken. Er beobachtete mich genau, bemerkte mein wohliges Schaudern und lächelte dunkel. In diesem Augenblick war er so sehr Dom, dass ich vermutlich auf die Knie gesunken wäre, wenn wir allein gewesen wären.
»Ich möchte dich wiedersehen«, raunte er.
Weiß nicht mehr, was ich geantwortet habe. Ich befürchte jedoch, es war weder schlagfertig, noch besonders intelligent, aber auf der Fahrt nach Hause sang ich laut im Auto mit vor Freude.

Tja, wer denkt SMler gehen zum Lieben immer in den Keller, liegt falsch. Manchmal finden wir die Liebe in der Ferne.
Ich bin Tanja Russ. Ich stehe auf hart und zart. Und so schreibe ich als BDSM-Autorin auch meine MaleDom-Storys. Romane und Kurzgeschichten mit viel Gefühl und detailreichen Sessions.
Leser fragen mich oft, ob meine Geschichten selbst erlebt oder frei erfunden sind. Nun, ich plaudere nicht aus dem privaten Spielzeugköfferchen, aber ich könnte keine authentischen Sessions darstellen, wenn ich nicht wüsste, worüber ich schreibe. Wirklich glücklich bin ich nur mit einem Partner, der gern experimentiert und mit dem erfüllendes BDSM und offene Gespräche darüber möglich sind.
Mit Mike spielte BDSM von Anfang an eine wichtige Rolle. Es war eine der intensivsten und schönsten Partnerschaften, die ich jemals hatte, obwohl oder vielleicht eher gerade weil, es eine Fernbeziehung war.
›Was kann toll daran sein, wenn man sich kaum sieht?‹. Diese Frage drängt sich auf und sie ist absolut berechtigt, denn diese Beziehungsform birgt Nachteile und nicht jeder Mensch ist dafür gemacht.
Ich habe Paare, die aktuell über viele hundert Kilometer hinweg lieben, gefragt, wie sie mit der Situation klar kommen und ganz unterschiedliche Antworten erhalten. Von ›Eine echte Chance, um die Liebe frisch zu halten‹ bis hin zu ›Das ist so hart, dass es sogar für einen SMler zu heftig ist‹, war alles dabei.
Anna und Marvin zum Beispiel lebten ein Jahr zusammen, bevor es Marvin aus beruflichen Gründen in ein anderes Bundesland verschlug. Geschäftliche Termine banden ihn teilweise sogar an den Wochenenden, sodass er oft nicht heimfahren konnte. »Manchmal weiß ich gar nicht, wie ich alleine klar kommen soll«, berichtete seine Sub Anna mir. »Dann bin ich so einsam und hab das Gefühl, ich falle in ein Loch. Wir tauschen uns regelmäßig per WhatsApp oder Telefon aus, aber das ist kein Ersatz für ein persönliches Gespräch.« Auf meine Frage, ob sie auch Vorteile sieht, musste Anna eine Weile überlegen. »Ab und zu gefällt mir die Stille zuhause. Dann kann ich mich mehr auf mich selbst konzentrieren. Ist auch schön, sich mal mit einer Freundin zum Quatschen zu treffen.« Und dann fügte sie mit schelmischem Grinsen hinzu: »Und wenn ich mit Marvin chatte, geht es manchmal ganz schön zur Sache. Kopfkino vom Feinsten.«
Torsten und Beatrice lernten sich auf Twitter kennen. Anfangs konnten sie sich nur alle vier Wochen sehen. Die Zwei wohnten fünfhundert Kilometer voneinander entfernt und konnten dieser Konstellation überhaupt nichts Positives abgewinnen. »In der kurzen Zeit, die wir zusammen verbringen können, kann kein ›Wir‹ entstehen. Wir sehnen uns nach einem gemeinsamen Alltag«, erzählte mir Torsten. Und Beatrice setzte hinzu. »Wir wollen so schnell wie möglich zusammenleben. Ich ziehe zu Torsten. Nicht leicht für mich, alles zurückzulassen. Meine Freunde und Familie. Ich leite einen Friseursalon und verdiene da richtig gutes Geld. So einen Job bekomme ich so schnell nicht wieder. Aber Torsten ist mir wichtiger«, ergänzte sie schnell mit sehnsüchtigem Blick.

Ich denke, es ist eine Typfrage, ob man sich in einer Fernbeziehung wohlfühlen kann, oder ob man den gemeinsamen Alltag als unerlässlich für die Liebe erachtet. Ich persönlich habe diese Beziehungsform durchaus auch genossen.
Mike und mich trennten dreihundertsiebenundfünfzig Kilometer. Deshalb war von Anfang an klar, dass wir uns nur an den Wochenenden sehen würden und auch nicht an jedem.
Ich war überzeugt davon, dass eine Partnerschaft auf Distanz nicht funktionieren konnte und war daher nicht auf eine feste Bindung aus. Dennoch wollte ich Mike, wiedersehen, unbedingt.
Wir fanden einen Termin, drei Wochen nach dem Seminar. Um die Zeit zu überbrücken, chatteten, skypten oder telefonierten täglich. Bevor ich Mike kennenlernte, wusste ich nicht, dass man sich so intensiv mit einem Mann unterhalten kann.
Wir tauschten uns über Politik und das Weltgeschehen aus. Genauso wie über Erfahrungen, Emotionen, Ziele, Träume und über die Verletzungen, die uns in der Vergangenheit zugefügt worden waren. Plötzlich gab es da einen Menschen, der mir zuhörte und mit dem ich alles teilen konnte, was mich bewegte. Er schenkte mir, obwohl er nicht bei mir war, mehr Geborgenheit, als jeder andere Mann, mit dem ich bislang zusammengelebt hatte. Hätten wir uns bei einem Glas Wein gegenüber gesessen, hätte ich vermutlich nicht so ungehemmt mit ihm reden können. Die Anonymität des Internets, gepaart mit dem Wunsch, einander kennenzulernen, ließ uns die Befangenheit verlieren. Wir schafften Intimität durch Worte, weil die räumliche Nähe fehlte. Kein Ersatz für das Körperliche. Eine ordentliche Knutscherei wäre mir tausendmal lieber gewesen. Dafür entstand eine tiefe Vertrautheit zwischen uns, wie ich sie bis dahin noch nie erlebt hatte. Natürlich unterhielten wir uns auch über unsere sexuellen Neigungen. Deshalb wusste ich, dass sich unser BDSM gut ergänzen, und wir eine Menge Spaß miteinander haben würden.
Ich fieberte unserem ersten Treffen entgegen, begann das Wochenende genauestens durchzuplanen. Ich wollte ihm zeigen, wie ich lebe, wo ich hingehe, wenn ich abends ausgehe. Den Wald und den See, wo ich oft spazieren gehe. Und er sollte meine Freunde kennenlernen. Andererseits war ich erpicht darauf, möglichst viel Zeit mit ihm im Bett zu verbringen. Oder vor ihm auf dem Fußboden, je nachdem, was ihm vorschwebte. Wenn ich an unsere erste Session dachte, zitterten mir die Knie vor Aufregung. Vielleicht würden wir es ja gar nicht aus dem Schlafzimmer raus schaffen? Oder kaum hinein? Dieses Date musste einfach perfekt werden.
Als Mike von meinen Vorbereitungen erfuhr, verbot er mir kurzerhand jegliche Planung. Er wolle sich ausführlich mit mir beschäftigen und nicht von einem Ort zum anderen hetzen, erklärte er resolut.
Rückblickend betrachtet muss ich ihm recht geben. Je weniger Organisation, desto mehr Raum blieb für uns. Natürlich kann man sich auch mal etwas vornehmen. Freunde oder die Familie besuchen zum Beispiel. Aber grundsätzlich glaube ich, dass zu viel Aktion Gift für eine Fernbeziehung ist. Sich gemeinsam treiben lassen. Einander nah sein und genießen. Das haben Paare, die sich viel zu selten sehen können, sich einfach verdient.
Wir hatten online schon die eine oder andere Fantasie durchgespielt und waren ziemlich heiß aufeinander. Dennoch fehlte die körperliche Vertrautheit. Deshalb gingen wir es langsam an, tranken ein Glas Wein zusammen, knutschten ein bisschen, bis er mit einem festen Griff in meinen Nacken das Startsignal gab. Durch unsere ausführlichen Unterhaltungen, wusste er, was ich brauchte und gab mir genau das und diese kleine Prise mehr, die mich hilflos machte und ihm meine Ergebenheit sicherte.

Einer der Vorteile einer Fernbeziehung ist, dass das Miteinander im Allgemeinen und der Sex im Besonderen sehr intensiv sind, weil man sich einfach wahnsinnig aufeinander freut, wenn man sich ein paar Wochen nicht gesehen hat. Überhaupt findet Kommunikation auf einer eher körperlichen Ebene statt und Berührungen werden niemals selbstverständlich, egal wie lange man zusammen ist. Demgegenüber steht diese verdammte Sehnsucht als entscheidender Nachteil.
Auch bei Mike und mir waren Umarmungen Luxus, weil selten möglich. Vor allem gerade dann nicht, wenn ich sie dringend gebraucht hätte. Natürlich half es, dass wir uns täglich austauschten. Von ihm zu hören, dass er mich genauso vermisste, tröstete ein bisschen und ließ mich oft wieder lächeln. Außerdem linderte die Vorfreude den Trennungsschmerz und ich zählte die Tage, bis wir uns wieder trafen.
Die Verabschiedung nach dem ersten Date begann schmerzlich. Keine Frage, wir wollten uns wiedersehen, aber wann? Ich weiß noch, dass ich krampfhaft versuchte, die Tränen zurückzuhalten, um ihn nicht zu belasten. Doch Mike bemerkte, wie traurig ich war, und tat etwas Unerwartetes. Er zog seine Jacke wieder aus, holte seinen Kalender hervor und wir schauten nach einem geeigneten Datum für unsere nächste Verabredung. Zu wissen, dass wir es nur zwei Wochen ohne einander würden aushalten müssen, erleichterte den Abschied. Wir behielten das bei, legten den nächsten Termin bereits fest, bevor wir uns trafen, damit wir ein Ziel vor Augen hatten, wenn wir uns trennten. Ein guter Trick, den ich jedem empfehle, der eine Beziehung über eine große Entfernung hinweg führt.
Wir sahen uns ungefähr alle drei bis vier Wochen. Er hatte seiner Frau von mir erzählt, jedoch konnten wir uns wegen der Kinder nicht bei ihm treffen. Wenn ich ihn besuchte, mieteten wir einen Bungalow in Küstennähe. Das bedeutete, im Sommer schwimmen gehen und in der kälteren Jahreszeit Strandspaziergänge in dicke Jacken eingemummelt und Sex vor dem offenen Kamin. Wunderschön, doch das ständige Hin- und Herfahren ging auf die Dauer ganz schön ins Geld und die Fahrerei kostete Zeit, die wir lieber miteinander anstatt auf der Autobahn verbracht hätten. Fakten, mit denen ich mich abfand, diese Beziehung war einfach zu geil.
Wir dachten nicht groß über die Zukunft nach. Wir hatten ja immer einen nächsten Termin für unser Wiedersehen vor Augen. Zu wissen, dass es weitergehen würde, genügte uns.
Wir führten ganz unterschiedliche Leben, die sich auch auf lange Sicht nicht verbinden ließen. Mike konnte unmöglich seine Kinder allein lassen, um zu mir zu ziehen. Ich wäre bereit gewesen, mein gewohntes Leben für ihn aufzugeben, wenn wir gemeinsam neu hätten anfangen können. Ich hatte Verständnis dafür, dass es nicht möglich war. Doch ich wollte meine Heimat, Familie, Freunde und meinen Job nicht aufgeben, nur um mir irgendwo allein eine Wohnung zu suchen, wo ich außer ihm keine Menschenseele kannte. So entschieden wir uns bewusst dafür, es auf unbestimmte Zeit bei einer Fernbeziehung zu belassen.
Mike war mein Dom, Partner und mein Seelenverwandter.
Wenn wir zusammen waren, lebten wir eine D/s-Beziehung. Ich war auf ihn fixiert und genoss seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Es gibt einen Teil meiner Persönlichkeit, der genau das will und unheimlich genießen kann. Ich bin aber auch eine eigenständige Frau. 24/7 ist nichts für mich. Wenn wir miteinander chatteten oder telefonierten, herrschte Augenhöhe, außer natürlich beim Cybersex oder Telefonsex. Wenn ich allein war, schätzte ich meine Freiheit und Selbstständigkeit. Ich konnte meine Freizeit gestalten, wie es mir gefiel, hatte Zeit für Freunde, Hobbys oder zum Shoppen. Als Single hatte ich diese Unabhängigkeit oft nicht zu schätzen gewusst, in einer Beziehung hatte sie mir gefehlt. Eine Fernbeziehung bietet Raum für beides. Das empfand ich damals als echten Pluspunkt und so sehe ich das auch heute noch.
Ein weiterer Vorteil ist, dass der Alltag uns niemals eingeholt hat. Wenn Mike und ich zusammen waren, egal ob virtuell oder real, nahmen wir uns Zeit und konzentrierten uns aufeinander. Die kleinen, dem Alltag geschuldeten Unaufmerksamkeiten, die für viele Paare irgendwann zur Entfremdung führen, gab es bei uns nicht. Genauso wie die lästigen Alltagspflichten nie zum Problem werden konnten.
Etwas so Alltägliches, wie gemeinsam zu baden, wurde nie trivial und schon gar nicht langweilig. Wir verteilten Teelichter im Bad, hörten leise Musik, tranken Rotwein in der Wanne und genossen einander sehr bewusst. Essen war nie einfach nur Nahrungsaufnahme. Wir zelebrierten das gemeinsame Mahl regelrecht. Tischdeko mit Kerzen, Blumen, passende Getränke. Was in einer normalen Beziehung manchmal keiner weiteren Beachtung wert ist, war für uns etwas Besonderes und wurde intensiv gelebt, weil wir jeden einzelnen Augenblick miteinander genossen.

Lisa, eine Freundin von mir, fragte mich damals mal, ob es nicht ein blödes Gefühl sei, nicht kontrollieren zu können, ob Mike andere Frauen vögelt. »Kannst du garantieren, dass dein Ehemann nicht fremdgeht?“ habe ich verwundert zurückgefragt. »Meinst du nicht, jeder der das wirklich will, findet auch Gelegenheit, zu betrügen, ganz egal, ob Zwei zusammen leben oder viele hundert Kilometer entfernt?« »Ich vertraue meinem Mann. Ohne Vertrauen funktioniert doch keine Beziehung,« meinte Lisa nach kurzem Zögern schulterzuckend. »Was genau bedeutet fremdgehen für dich?« Wollte ich wissen. »Würdest du dich betrogen fühlen, wenn er oft an eine Andere denkt? Oder erst wenn er seinen Schwanz in den Körper einer anderen Frau steckt?« Die Frage schien sie sich selbst noch nie gestellt zu haben, denn Lisa schaute mich ziemlich sprachlos an. »Ich habe nichts dagegen, wenn Mike eine Andere bespielt«, fuhr ich fort. »Er darf von mir aus vögeln, bis ihm die Eier rauchen. Sex ist doch nur Sex. Er ist geil und macht Spaß, mehr nicht. Für mich ist es erst dann nicht mehr akzeptabel, wenn sein Herz mit fickt.« Nachdenklich hielt ich einen Moment inne. »Natürlich mache ich mir ein bisschen Sorgen. Je mehr man liebt, desto größer ist die Angst zu verlieren. Aber das ist ein Problem, mit sich dem viele Paare beschäftigen, unabhängig von Entfernungen.«
Ich glaube, es sind schon erheblich mehr Lebenspartnerschaften an Monogamie zerbrochen, als daran, dass einer oder beide, Sex außerhalb der Beziehung suchen. Weil zwei Menschen sich zwar lieben, einander aber manchmal nicht alles geben können, was sie brauchen, kann das, was fehlt, irgendwann zu einer echten Bedrohung werden.

Ziemlich zu Anfang in der Partnerschaft mit Mike gab es mal eine schlechte Phase bei mir. Ich ließ mich so sehr von meiner Sehnsucht runterziehen, dass ich abends nicht mehr ausging. Ich wollte keine Gelegenheit verpassen, mich mit Mike zu unterhalten. Meldete er sich dann nicht, war ich bitter enttäuscht. Natürlich blieb ihm meine miese Stimmung nicht verborgen. Als er den Grund erfuhr, wurde er wütend, beschwerte sich, dass ich ihn erdrückte. Ich wiederum konnte nicht nachvollziehen, wie er sich eingeengt fühlen konnte, wo wir uns doch nur alle paar Wochen mal für zwei Tage sahen. Daran wäre unsere Liebe fast zerbrochen. Es war meine beste Freundin, die mich wieder in die Spur brachte. Sie warf mir vor, mich zu verkriechen und nur noch auf Mike zu fixieren. Zunächst lustlos ging ich dann wieder mit ihr aus, merkte aber schnell, wie gut es mir tat, mich abzulenken und unter Leute zu kommen. Ich lernte, die Freiheiten, die mir unsere Beziehung bot, zu schätzen. Mich wunderte nur, dass Mike es nicht wurmte, dass ich nun öfter nicht erreichbar für ihn war. Schließlich war er doch mein Dom.
Nein, es störte ihn gar nicht. Er fand eine weitere Möglichkeit, die Entfernung zu überbrücken und mich in meinem Alltag zu begleiten, wenn wir uns nicht sehen konnten. Und das ging so:
Als ein guter Freund zu einer großen Feier einlud, war ich traurig, dass Mike ausgerechnet an diesem Wochenende wiedermal auf die Kinder aufpassen musste. Doch er schaffte es trotzdem, mir verdammt nahe zu sein. Zunächst einmal ging er mit mir einkaufen, als ich beschloss, mir ein neues Outfit für das Fest anzuschaffen. Nein, er war auch bei der Shoppingtour nicht dabei, oder zumindest nicht körperlich anwesend. Er gab mir die Anweisung, ihm Fotos von den Outfits, die ich in die engere Wahl zog zu schicken und wählte letztlich aus, was ich kaufte. Einen blauen Tellerrock, der zweifingerbreit über dem Knie endete mit passendem Shirt. Am Tag der Party befahl er mir, auf meinen Slip zu verzichten. Der Rock war lang genug. Niemand bemerkte, dass da ein entscheidendes Detail fehlte. Sicherheitshalber bemühte ich mich redlich, unbedachte Bewegungen vermeiden und nicht zu wild zu tanzen. Unten ohne herumzulaufen, war ich nicht gewohnt. Jeder kleine Luftzug unter meinem Rock sorgte dafür, dass ich Mikes Nähe spürte. Obwohl er nicht da war, wich er mir den ganzen Abend nicht von der Seite.
Dieses D/s aus der Entfernung gefiel uns beiden. Deshalb stellte er mir weitere Aufgaben. Keine komplizierten Sachen. Zum Beispiel musste ich hin und wieder, ein Geldstück in meinen Schuh legen, damit ich an ihn denke, wenn ich es beim Laufen spürte. Oder er ließ mich mit dem Handy ein Video aufnehmen und ihm schicken, wie ich Wäscheklammern auf meine Nippel klippte. Wenn ich mit Freunden ins Kino ging, wies er mich an, meinen Plug zu tragen. Oder es kam vor, dass er mir befahl, mich auszuziehen, während wir skypten. Dann sagte er mir, wie ich mich berühren sollte und ich folgte ihm und genoss seine Führung. Während er mir zuschaute, befriedigte er sich selbst. Ein Anblick, der mich wiederum anheizte. Ich bat ihn um Erlaubnis, wenn ich kommen wollte, genauso, wie ich es zu tun pflegte, wenn wir zusammen waren. Dann gab es Zeiten, da durfte ich eine ganze Woche nicht masturbieren. Dieses Verbot sprach er besonders gerne vor einem Wochenenddate aus, damit ich so richtig gierig auf ihn war, wenn wir uns sahen. Als ob das nötig gewesen wäre, aber ich liebte seine Anweisungen. Mike zu gehorchen machte mich stolz und glücklich. Während ich seine Befehle befolgte, kam es mir fast so vor, als würde er mir zuschauen. Ich beschrieb ihm, wie es sich angefühlt hatte, seine Aufgabe auszuführen, sobald wir miteinander telefonierten oder chatteten. Auf Wunsch schickte ihm Fotos, Videos oder Audiodateien. Wenn ich dann registrierte, wie zufrieden er mit mir war, hätte ich am liebsten die ganze Welt umarmt.

Bei unserem zweiten Treffen schenkte er mir ein Halsband. Ein magischer Moment in unserer Beziehung, als er es mir anlegte. Ich weiß noch genau, wie ich auf die Knie sank, um mich bei ihm zu bedanken. Nicht nur als Zeichen meiner Unterwerfung, sondern weil sie so sehr zitterten. Wenn ich allein war, trug ich sein Halsband häufig während ich eine seiner Aufgaben erfüllte oder wenn wir skypten. Gelegentlich befahl er mir, es beim Einkaufen zu tragen, oder wenn ich abends ausging. Manchmal wickelte ich es mir auch um mein Handgelenk, weil mir das Lederband das Gefühl gab, ihm näher zu sein. Wenn wir uns dann sahen, kniete ich mich vor ihn hin und überreichte es ihm. Das wurde zu einem Ritual zwischen uns. Oft verschwand das Band dann erst mal in seiner Hosentasche. Den richtigen Zeitpunkt, es mir anzulegen, wählte er und ich nahm es jedes einzelne Mal mit einem besonderen Glücksgefühl an.
Obwohl wir uns täglich unterhielten, griffen wir auch auf konventionelle Nachrichten zurück, schrieben einander Postkarten oder Briefe. Einfach nur weil es schön war, eine Botschaft auf Papier vom Partner im Briefkasten vorzufinden. Ich sammelte seine Karten und Briefe in einem kleinen Karton und wenn meine Sehnsucht zu groß wurde, schmökerte ich darin. Den Karton habe ich seit Jahren nicht mehr hervorgeholt, aber ich habe ihn heute noch.
Die Trennung kam nach ungefähr drei Jahren. Mike erhielt das Angebot, eine Abteilung seiner Firma in New York aufzubauen und zu leiten. Wir verloren uns mehr und mehr aus den Augen und es gab kurzgefasst andere Männer in meinem Leben. Aber jetzt, wo ich unsere Zeit Revue passieren lasse, komme ich ins Grübeln. Ob er inzwischen zurück ist? Ob er noch die gleiche Handynummer hat? Vielleicht sollte ich ihn mal wieder anrufen!

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