Klappentext
Rebecka und Alec kennen sich schon eine ganze Weile und zwischen den beiden knistert es gewaltig. Doch Rebecka weiß, dass Alec auf BDSM steht und das schreckt sie ab. Alec hingegen spürt, dass tief in Rebecka die dunklen Sehnsüchte von Unterwerfung und Hingabe schlummern – aber er weiß nicht, wie er ihr so nahe kommen kann, dass er ihr behutsam den Weg zur Erfüllung ihrer geheimen Fantasien zeigen kann. Schließlich versucht er es mit der Hilfe von Rebeckas bester Freundin Lea, die Sie bereits aus dem Roman „Brombeerfesseln“ kennen …
Leseprobe
Nerviges Klingeln reißt sie aus dem Tiefschlaf. Rebecka zieht das Kissen über den Kopf. Doch jetzt lauscht sie geradezu angestrengt und wird dadurch erst richtig wach. Da, schon wieder das lästige Geräusch. Es hört nicht auf! Leise vor sich hin schimpfend schwingt sie die Beine aus dem Bett. Dem störenden Klang folgend, findet sie schließlich ihr Festnetztelefon unter einigen Zeitschriften auf dem Couchtisch im Wohnzimmer.
»Ja?«, knurrt sie gereizt.
»Guten Morgen, Süße. Sag bloß nicht, du hast noch geschlafen, es ist fast Mittag«, klingt die fröhliche Stimme ihrer besten Freundin an ihr Ohr.
»War spät gestern«, murmelt Becky schon etwas versöhnlicher. Lea verzeiht sie großzügig die Störung ihrer wohlverdienten, auf den Tag ausgedehnten, Nachtruhe.
»Ah, dann hattest du wohl eine ereignisreiche Nacht, was? Erzähl, wie war es? Geiler Typ? Hammermäßiger Sex?«
»Nett, aber nicht der Rede wert«, erwidert Rebecka knapp. Nicht, dass sie ihrer besten Freundin die delikaten Details verweigern würde, aber es gibt wirklich nichts Aufregendes zu berichten.
Die Freundinnen kennen sich schon seit ihrer Schulzeit, also gute fünfzehn Jahre. Lea ist die einzige Person auf der Welt, der Becky von ganzem Herzen vertraut.
Von Anfang an schätzte sie Leas unbeschwerte Fröhlichkeit sehr. Genau wie ihr Auge für die kleinen Dinge, die den Alltag so lebenswert machen. Ihren Enthusiasmus, mit dem sie sich mit allem, was sie zu geben hat, in Lebenslagen stürzt, die ihr wichtig erscheinen. Und wie sie sich für die Menschen einsetzt, die sie liebt. Außerdem bewundert sie die Freundin für ihren Mut sich fallenzulassen. Wäre Lea an ihrer Stelle, sie würde nicht zögern, sich in Alecs Hände zu gegeben. Hin und wieder beneidet Rebecka sie um ihre Risikobereitschaft und manchmal ist sie überzeugt davon, dass Lea komplett verrückt ist.
Einen Moment bleibt es still in der Leitung.
»Schade, hätte ja mal ein Hauptgewinn sein können«, sagt Lea dann bedauernd.
»Eher ein Trostpreis, obwohl eigentlich bin ich ungerecht. Er war nicht übel, wirklich. Es lohnt sich nur einfach nicht, groß darüber zu reden. War nett und Punkt. Aber nun erzähl, warum du mich aus dem Bett geholt hast.«
»Okay, also Lukas, Alec und ich gehen heute Abend in diese süße kleine Weinstube, die wir neulich entdeckt haben. Alec fliegt heute Nacht für drei Wochen nach Schottland und da wollen wir uns vorher noch mal treffen, ein bisschen quatschen, ein oder zwei Weinchen schlürfen. Fände schön, wenn du mitkommst. Hast du Lust?«
Alec … schon wieder. Reicht völlig, dass er ständig durch ihre Gedanken und Fantasien geistert, da muss sie ihn wirklich nicht auch noch sehen. Gut, dass er wegfährt! Das bedeutet mindestens weitere drei Wochen, die er sie nicht mit seinen dunkelblauen Augen und seiner Stimme, die ihr durch Mark und Bein geht, durcheinanderbringt.
»Ja, warum nicht. Klingt nett, da komme ich gerne mit«, hört sie sich sagen. ›Moment mal, bin ich verrückt? Ich hatte doch ablehnen wollen.‹ Aber das hieße, ihn insgesamt wenigstens zwei Monate nicht zu sehen. Sie könnte sich einreden, dass es ihr nur darum geht, Lea zu treffen, aber sie weiß, dass sie sich damit selbst belügt. Seufzend ergibt sie sich in ihr Schicksal, als Lea fröhlich weiter plappert:
»Lukas und ich holen dich um sieben Uhr ab und bringen dich später auch wieder nach Hause. Dann kannst du was trinken. Das wird bestimmt ein toller Abend!«
Sie beenden das Gespräch und Becky schwankt zwischen Freude und Ärger. Warum zum Teufel hat sie zugesagt? Und wieso kribbelt die Vorfreude in ihrem Magen? Und mal ganz ehrlich, warum zieht sich der Tag wie ein Kaugummi?
Als Lea endlich klingelt, ist Rebecka schon seit einer gefühlten Ewigkeit fertig und unruhig durch ihre kleine Wohnung getigert.
Die Weinstube ist gut besucht und sämtliche Tische sind besetzt. Alec hockt bereits an einem, doch jetzt steht er auf, um die Neuankömmlinge zu begrüßen. Nachdem sie ihn freundschaftlich gedrückt haben, setzen sich Lea und Lukas nebeneinander auf die beiden Stühle. Damit ist der einzig noch freie Platz der neben Alec auf der engen Bank. Er umarmt auch sie zur Begrüßung kurz. Nicht mehr als eine kameradschaftliche Geste, doch sein Duft, eine würzige Mischung aus frischem Laub und Waldboden steigt ihr in die Nase und vernebelt ihre Sinne.
Er sitzt viel zu nah neben ihr und nachdem der Kellner die erste Runde eines vorzüglichen, süßfruchtigen Rotweins serviert hat, leert sie ihr Glas viel zu schnell. Immerhin gibt ihr der Alkohol die nötige Gelassenheit und sie beginnt seine Gesellschaft und ihre Viererrunde zu genießen. Anstatt so weit wie möglich von ihm abzurücken, rutscht sie so nah an ihn heran, dass sie seine Körperwärme spüren kann. Der durchdringende Blick, den er ihr daraufhin zuwirft, geht ihr durch Mark und Bein. Doch, statt etwas mehr Abstand zu gewinnen, trinkt sie ihr zweites Glas in einem Zuge aus.
»Wow, du legst ein mächtiges Tempo vor«, leicht irritiert fixiert Lukas ihr schon wieder leeres Glas. »Sei vorsichtig, das Zeug hat es in sich.«
»Ach lass sie nur, wenn sie Lust darauf hat, soll sie ruhig mal über die Stränge schlagen«, meint Alec grinsend und bestellt ein weiteres Glas Wein für sie. Bildet sie sich das nur ein, oder ist er jetzt noch ein Stückchen näher herangerückt? Zumindest pressen sich ihre Schenkel aneinander. Genießerisch, und wie sie hofft unauffällig, kuschelt sie sich an ihn. Warum Lea und Lukas sich so verschwörerisch angrinsen, bleibt ihr ein Rätsel. Was weiß sie schon, was für stumme Zwiegespräche die beiden führen. Ist ihr aber auch egal.
Alec erzählt ihnen von der zerklüfteten Landschaft der Highlands, den grünen Hügeln und den Bergen mit den vielen kleinen klaren Bergseen. Besser gesagt, er schwärmt davon. Sie wagt kaum, ihren Kopf zu drehen, um ihn anzuschauen. Seine Augen glitzern wie das Meer, wenn die Sonne darauf scheint. Man hört deutlich heraus, wie sehr er seine Heimat liebt.
Becky erhebt sich.
›Huch, entweder ich bin zu flott aufgestanden oder ich habe doch ein bisschen zu schnell getrunken‹, denkt sie und hält sich einen Moment am Tisch fest.
»Die Natur ruft«, kichert sie und steuert mit leicht unsicheren Schritten die Toiletten an. Beim Händewaschen lächelt sie ihrem Spiegelbild zu. ›Ist doch gar nicht so übel, warum will er mich nicht?‹ Sie zieht einen Schmollmund. ›Nein, tatsächlich ist es wohl eher so, dass ich auf die Bremse trete. Wieso eigentlich? Bin ich bescheuert? Ach ja, seine komischen Vorlieben beim Sex …‹ Sie streckt der Frau im Spiegel die Zunge raus. »Ich habe Lust auf ein Abenteuer!« Damit dreht sie sich um und macht sich, leicht wankend auf den Weg, zurück zu ihren Freunden.
Dort lässt sie sich wieder neben Alec auf die Bank plumpsen und entdeckt ein neues Glas Wein auf dem Tisch vor ihrem Platz.
So nahe wie nur möglich rutscht sie an ihn heran. Ob er das bemerkt oder nicht, ist ihr mittlerweile egal. Selig nippt sie an ihrem Wein und hört Alec zu, der seinen Bericht Gott sei dank noch nicht beendet hat.
Becky staunt nicht schlecht, als das Glas kurze Zeit später schon wieder leer ist. Sie fühlt sich berauscht, doch daran ist eher der Klang seiner Stimme schuld. Mit offenen Augen träumt sie vor sich hin. Sie und Alec in Schottland. Kennenlernen, woran sein Herz so sehr hängt, dass es dieses Strahlen auf sein Gesicht zaubert. Erleben, was ihn begeistert.
›Wie gerne würde ich ihn küssen. Einmal nur spüren, wie sich das anfühlt. Es wird mindestens einen Monat dauern, bis ich ihn wiedersehe. Seine Stimme wieder höre. Eine Ewigkeit. Warum eigentlich? Wieso soll ich so lange auf seine Gesellschaft verzichten?‹ Ihr wird etwas schwindelig.
»Bitte nimm mich mit. Lass mich nicht alleine hier«, lallt sie mühsam, erstaunt wie schwer ihr das Sprechen fällt.
Drei Augenpaare richten sich abrupt auf sie, doch das macht ihr gar nichts aus. Gut gelaunt schlürft sie ihren Wein, stolz auf sich, weil sie auf diese wunderbare Idee gekommen ist.
Diese wunderschönen dunkelblauen Augen scheinen bis auf den Grund ihrer Seele blicken zu wollen. Selbst wenn sie es wollte, wäre sie nicht in der Lage wegzuschauen.
»Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst, kleine Hexe. Manchmal gehen Wünsche in Erfüllung«, sagt er sehr ernst.
Hexe? Wünsche? Der Sinn seiner Worte bleibt ihr verborgen, aber das ist nicht weiter schlimm, solange sie nur dem Klang seiner Stimme lauschen darf.
»Mit dir gehe ich bis ans Ende der Welt«, nuschelt sie, mühsam, aber enthusiastisch. Sie fühlt sich so leicht und frei und immer noch ein bisschen schwindelig. Warum soll sie ihm nicht zeigen, dass sie gerade sehr glücklich an seiner Seite ist? »Aber ich gehe immer einen halben Schritt vor dir her«, setzt sie augenzwinkernd hinzu. »Weil ich mich nämlich nicht vor dir führen lasse, so!«
Er lacht und kommt ihr so nahe, dass sie die Bewegung seiner Lippen an ihrem Ohr spürt. So leise, dass nur sie ihn versteht, flüstert er: »Ob du vor oder hinter mir gehst, ist mir egal, mo shìtheag. Irgendwann wirst du vor mir knien und wir beide werden es genießen.«
Sie bemüht sich, den Sinn seiner Worte zu erfassen, doch es gelingt ihr nicht. Auch dem Tischgespräch kann sie nicht mehr folgen. Ihre Augen werden schwer. Unerheblich. Sie schmiegt ihren Kopf an Alecs Schulter und schläft tief und fest ein.
Menü