Klappentext
Sara ist eine selbstbewusste, lebenslustige Frau. Doch insgeheim sehnt sie sich nach der Führung eines starken Partners. Mit Konrad glaubt sie, am Ziel ihrer Wünsche zu sein. Als sie merkt, dass sie sich geirrt hat, sucht sie Halt bei ihrem Chatfreund Julian. Die Freundschaft entwickelt sich zu einer virtuellen D/S-Beziehung, doch Sara sehnt sich nach einem Mann zum Anfassen und nach realem BDSM. Welches Geheimnis verbirgt er vor Ihr? Als ein Frauenmörder in der Stadt seine Opfer sucht, ist Sara in Lebensgefahr …

Buchbeginn – Kapitel 1
Julian erinnerte sich an den Tag, als er die nackte Schönheit zum ersten Mal im Vierfüßlerstand auf ihrem Bett knien sah, als wäre es gestern gewesen.
Fasziniert bewunderte er ihr Profil, während der Typ hinter ihr mit einer Gerte Muster auf ihren makellosen Körper zeichnete.
Der Anblick, wie der Kerl das Schlaginstrument fallen ließ und stattdessen seinen Kopf zwischen ihre Schenkel schob, ein Genuss.
Schwierig, den Blick von ihrem Fenster loszureißen, damals wie heute.
Wenige Wochen nach seinem Einzug war ihm in einer lauen Sommernacht in seiner Wohnung die Decke auf den Kopf gefallen. Er brauchte dringend frische Luft, mied jedoch gern den Trouble auf der Straße.
So kam er auf die Idee, aus der Dachgaube im Schlafzimmer auf das leer stehende Bürogebäude nebenan zu klettern. Eine Aufgabe, die für einen sportlichen Mann wie ihn, keine Herausforderung darstellte.
Das Dach bot jede Menge Aussicht, Frischluft, interessante Einblicke und die Abgeschiedenheit, die er sich wünschte.
Immer am Abgrund entlang schlendernd, hatte er sich die Nachbarschaft in allen Himmelsrichtungen angeschaut. Dabei entdeckte er auf der gegenüberliegenden Straßenseite das eine Fenster, das seine Aufmerksamkeit mehr als alle anderen erregte. Sein Blick war in eine Einraumwohnung, ein Stockwerk tiefer, gefallen. Nicht besonders groß und damit für ihn recht gut überschaubar, zumal die Bewohnerin erfreulicherweise eine Abneigung gegen Gardinen zu hegen schien.
Gleich nachdem er von diesem ersten Ausflug in seine Bude zurückgekehrt war, hatte er sich in einem Onlineshop ein sündhaft teures, qualitativ hochwertiges Fernglas bestellt. Außerdem fand er einen bequemen anthrazitfarbenen Stuhl, robust genug, um bei Wind und Wetter draußen zu stehen. Mit dem Rücken gegen den Fahrstuhlschacht gelehnt, fiel der auf dem gleichfarbigen Dach nicht auf. Julian selbst trug fast ausschließlich dunkle Kleidung und verschmolz mit seiner Umgebung. Für die Leute auf der Straße blieb er unsichtbar und niemand, der zufällig aus dem Fenster in seine Richtung schaute, hatte ihn bisher bewusst wahrgenommen.
Verrückt, so viel Geld für einen Feldstecher auszugeben, nur um seine Nachbarin zu beobachten. Aber er gönnte sich das Vergnügen ohne das geringste schlechte Gewissen.
Früher war er ein attraktiver Mann gewesen, dem die Frauen zu Füßen lagen. Seit dieser schreckliche Unfall vor zweieinhalb Jahren sein Gesicht entstellt hatte, war es damit vorbei. Sobald er aus dem Krankenhaus entlassen worden war, hatte er sein Heimatdorf in Schleswig-Holstein, wo er jeden Stein und jede lebende Seele kannte, verlassen.
Mit großem Bedauern, jedoch ohne zu zaudern oder zurückzublicken, ließ er Freunde, Nachbarn und Familienangehörige zurück und zog nach Köln.
Er vermisste seine Lieben jeden Tag, doch er bereute seinen Entschluss nicht. Den Tapetenwechsel hatte er dringend gebraucht.
Das Flachdach betrachtete er inzwischen als seine persönliche Dachterrasse und nutzte es täglich.
Hier fand er Ruhe.
Seine schöne Nachbarin, die ihm ahnungslos ihre verführerischen Kurven präsentierte, sorgte für die Ablenkung, die ihm die Freizeit versüßte.
Egal, ob sie leicht bekleidet auf dem Boden kniete und Fitnessübungen absolvierte oder nackt aus dem Bad stolzierte, um ihr langes schwarzes Haar im Schneidersitz auf dem Bett zu kämmen.
Er sah ihr gerne zu.
Erfreulicherweise war Sara nicht nur eine lebenslustige, sondern auch eine leidenschaftliche, sexhungrige Frau.
Mit der Zeit hatte er ihre Gewohnheiten herausgefunden. Fast jeden Morgen, bevor sie aufstand, knüllte sie die Bettdecke zwischen ihren Schenkeln zusammen und besorgte es sich selbst. Und wenn sie abends geduscht und ihre Mähne gekämmt hatte, legte sie sich nicht selten auf die Matratze und spreizte die Beine, um ein zweites Mal zu masturbieren.
Gleichgültig ob sie mit dem Vibrator in ihre rasierte Pussy stieß oder ihre Klit gefühlvoll mit dem Finger bearbeitete. Beides hatte seinen Reiz, da war er nicht wählerisch.
Ab und zu brachte sie einen Kerl mit nach Hause, allerdings nie zweimal denselben.
Dann erfreute er sich an Szenen, die er schärfer und sinnlicher fand, als jedes Pornokino, denn Sara Lohmanns Neigungen ergänzten sich perfekt mit seinen Vorlieben.
Sie lieferte ihm so höllisch heiße Sessions, dass ihn beim Zuschauen Sehnsucht erfasste.
Die eigene Hand um seinen Schwanz fühlte sich dann verdammt gut an. Ganz so als wäre es mehr als Selbstbefriedigung, als wäre er mittendrin, obwohl er nicht dabei war.
Reihenweise hatten ihm die Frauen zu Füßen gelegen, im wahrsten Sinne des Wortes. Doch das war vor dem Unfall gewesen, in einem anderen Leben. Aber er war nicht der Typ Mann, der Vergangenem hinterher weinte. Er hatte seine Leidenschaften exzessiv ausgelebt und genossen. Fast so, als hätte er geahnt, dass dies nur eine Phase in seinem Leben war, die nicht ewig anhalten würde.
Heute spielte er nur noch virtuell. Seine Fantasien lebte er im WhipWeb aus, einem großen BDSM-Internetportal, wo er jede Menge submissive, untervögelte Frauen zum Spielen fand. Mit denen baute er erotische Luftschlösser, heißer als jeder Pornofilm. Sein Kopfkino hatte immer schon gut funktioniert und hier konnte er sich ausleben. Oft genug schickten seine Online-Gespielinnen ihm Nacktfotos von sich. Die schaute er sich lieber an, als irgendein Pornoheft, denn sie waren echt.
Julian besaß die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen. Er stimmte sich auf die jeweilige Sub ein und führte sie sanft oder streng, je nachdem, wie sie es brauchte.
Und Sara, ihren Namen und Beruf hatte er durch langwierige Internetrecherchen herausgefunden, bot ihm in der Wohnung gegenüber sein ganz persönliches Heimkino.
Zu Beginn seiner Beobachtungen stellte es ihn zufrieden, sich einfach nur an ihrem Anblick zu erfreuen. Doch schnell sehnte er sich nach mehr. Das Klatschen, wenn die Gerte traf, ihre Schreie, ihr Stöhnen. Diese süße Melodie blieb ihm verborgen, da sie die Fenster, während einer Session, stets geschlossen hielt. Außerdem lechzte er danach, den Taktstock zu schwingen, der ihr dieses Lied entlockte.
Die Vorstellung sie zu spüren, zu riechen, zu schmecken, leider nur ein geiler Traum, der niemals wahr werden würde.
Ein tiefer Seufzer entfuhr ihm. Gerade mal dreiunddreißig Jahre alt, hatte er sich damit abgefunden, dass die Zeit, Sex aktiv zu erleben, für ihn vorbei war. Mit einer ungeduldigen Geste strich er sich eine Strähne seiner schulterlangen schwarzen Haare aus dem Gesicht. Er war nun mal nicht mehr der gut aussehende Kerl, auf den die Frauen flogen. Im Moment stellte ihn sein zurückgezogenes Leben in der Großstadt durchaus zufrieden.
Sara war nach seinem Eindruck ein geselliger Mensch. Sie ging häufig aus oder bewirtete einen bunten Haufen gut gelaunter Leute in ihrer kleinen Wohnung. Manchmal kochte sie für ihre Gäste. Dann zauberte sie eine so liebevolle, aufwendige Tischdeko, dass er sich beim Anblick der gedeckten Tafel einsam fühlte. Er selbst wärmte sich meistens nur eine Dose Eintopf auf, den er nicht selten gleich aus dem Topf aß.
Wenn seine Nachbarin ausging, war sie gewöhnlich mit zwei Freundinnen unterwegs. Die eine klein, zierlich und rothaarig, eine Kreuzung zwischen einem Kobold und einer Fee. Die Andere groß, mit langen weißblonden Haaren, erinnerte ihn an eine Barbie. Bevor er Saras Namen herausfand, hatte er sie Schneewittchen genannt. Die drei Mädels bildeten ein scharfes Trio, das bestimmt für eine Menge feuchter Männerträume sorgte, wenn sie sich ins Kölner Nachtleben stürzten.
Gerade trat Sara mit ihrem Geigenkasten in der Hand auf die Straße und stieg in ihr Auto. Dreimal pro Woche probte ihr Orchester. Freitags, samstags und sonntags gab das Ensemble jeweils ein bis zwei Vorstellungen pro Tag.
Vor einigen Monaten hatte er seinen Rückzugsort für ein paar Stunden verlassen, um eines ihrer Konzerte zu besuchen.
Er stand eher auf ordentlichen Rock, als auf klassische Musik, doch die Melodie hatte ihn abgeholt dort auf seinem Platz in der Loge und fortgetragen.
Weit weg von der harten Realität in eine andere Welt.
Die Musik hatte ihn berührt, aufgewühlt und gleichzeitig beruhigt. Nie hätte er so etwas für möglich gehalten. Er hatte sich bemüht, sich auf die Geige zu konzentrieren, sich der Illusion hingegeben, sie spiele nur für ihn. Und sie spielte wundervoll.
Sehr gefühlvoll nahm sie ihn mit sich, entführte ihn.
An einer besonders gefühlsbeladenen Stelle trieben ihm die Klänge sogar Tränen in die Augenwinkel, die er ungeduldig fortwischte.
Es hatte sich angefühlt, als würde Sara ihn mit ihrer Melodie streicheln. Für die begrenzte Zeit des Konzerts hatte er diese vermeintliche Nähe zugelassen und die Wärme genossen, die sich in seinem Inneren ausbreitete.
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